Was hat die Fashion Revolution mit dem Islam zu tun?

Was ist geschehen?
Warum ist es plötzlich normal geworden, dass wir Kleidung „bewusst“ kaufen, um sie einmal zu tragen und dann im Kleiderschrank hängen zu lassen?
Wer hat entschieden, dass wir zu jedem Event ein neues schickes Outfit benötigen? Für die gesamte Familie versteht sich.

Wir befinden uns gerade mitten in der Fashion Revolution Week. Für alle, die mit dieser Initiative nichts anfangen können:

Es geht hierbei um eine globale Bewegung in der Menschen aus aller Welt an Events, Flashmobs oder einer Selfie-Aktion teilnehmen. Es werden Bilder auf allen Plattformen der Social Media Welt gepostet und mit dem #whomademyclothes versehen.

Mit dieser Aktion soll an den Gebäudeeinsturz einer Textilfabrik in Sabhar (Bangladesch) erinnert werden, bei dem am 24.04.2013 mehr als 1100 Menschen getötet und weit über 2400 verletzt wurden.

Eine mega Bewegung wie ich finde.
Es ist so wichtig, dass wir uns fragen wer unsere Kleidung herstellt.
Noch wichtiger ist das WIE?
Wie und unter welchen Umständen wurde mein letztes Shirt produziert?

Im Zeitalter von Fast Fashion ist es tatsächlich nicht leicht zum fair produzierten Kleid zu greifen, was 100 Euro kostet, wenn ich ein ähnliches oder sogar hübscheres für 20 Euro aus einem Fast Fashion Geschäft bekommen kann.

Weil wir als Wegwerfgesellschaft immer schnell und an viel Kleidung kommen wollen, sind die Fabrikarbeiter gezwungen diese unter Druck zu produzieren.
Das bedeutet, dass eine Frau in Asien mehrere Stunden täglich mit Textilien arbeiten muss, die voller Gift- und Schadstoffe sind, während ihr Baby neben ihr auf dem giftigen, schmutzigen Boden liegt.

Wie kann eine Mama, die ihr Kind liebt und sich das Beste für ihren Lieblingsmenschen wünscht, akzeptieren, dass andere Kinder unter diesen Umständen leben müssen?
Dass Kindern das Recht auf Bildung gestohlen wird, damit diese unsere Kleidung herstellen. Die Kleidung die wir schnell, einfach und BILLIG gekauft haben.

Um einen Bezug zum Islam herzustellen:

Es gibt einen bekannten Hadith (Überlieferung) vom Gesandten Gottes – Frieden und Segen auf ihn – in dem es um den gerechten Umgang mit den Arbeitern geht:

Zahlt den Lohn des Arbeitenden noch bevor sein Schweiß trocknet.“  [saheeh by al-Albaani]

In einem weiteren Hadith bei Albukhari heißt es sinngemäß, dass der Prophet ein Gebet sprach und Gott um Barmherzigkeit für all jene bat, die im Handel gerecht sind.

Wir alle wissen wie unfair ein Gehalt in einer solchen Fast Fashion Textilfabrik ist. Die Menschen arbeiten den ganzen Tag für sehr sehr wenig Geld – wenn überhaupt.

An mehreren Stellen hat Gott im Koran von der Gerechtigkeit gesprochen und, dass Er die Gerechten liebt. Als Beispiel im Kapitel die Gemächer Vers 9. […Gott liebt die, die gerecht handeln.]
Gott hat Sich und uns die Ungerechtigkeit verboten.

Kurz: FAST FASHION IST UNGERECHT.

Die Mode, die wir hier konsumieren, ist für uns billig. Für die Fabrikarbeiter teuer. So teuer, dass mehrere hundert mit ihrem Leben zahlen mussten.

FRD_quote_lucy_siegle

Als ich 2016 angefangen habe mich intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen, ist meine Welt zusammengebrochen. Ich habe mich gefragt, wie ich es schaffen kann die Shops, deren Ware auf diese ungerechte Art und Weise produziert werden, zu boykottieren und noch größer meine Sorge:
Wie finanziere ich Fair Fashion?

Die Antwort:

Kauf weniger Nesrin.
Kaufe bewusst ein.
Muss ich mir für die Abschlussfeier meiner Freundin wirklich ein neues schickes Outfit kaufen? Kann ich mir nicht eventuell bei jemandem etwas ausleihen? Oder im Secondhandshop stöbern?

Wenn ich also verinnerlicht habe, dass ich nicht 20 Shirts benötige, sondern mit vier Shirts sehr gut auskomme, habe ich immerhin 16 Oberteile gespart und dementsprechend genug Geld, um das nächste Mal, wenn ich wirklich ein neues Kleidungsstück benötige, ein qualitativ hochwertiges und fair hergestelltes Stück zu kaufen.

Um H&M, Zara, Primark, Nike, Valentino und andere Luxusbrands wirklich boykottieren zu können, habe ich aufgehört diese Geschäfte zu betreten.
Ich habe ihnen ein UNFOLLOW auf den Social Media Plattformen geschenkt und immer wenn ich eine Ad sehe, blockiere ich diese.
Die Verführung ist zu groß, denn die Teile sind nun mal schick und ich kann sie mir locker leisten.

Der Gedanke, dass ich mit dem Erwerb eines schicken Sommerkleides aus dem H&M die Verantwortung dafür trage, dass im Herzen eines Arbeiters in Bangladesch der tiefste Winter ausgebrochen ist, raubt mir jedes Glücksgefühl dem Kleid gegenüber.
Ich kann und möchte diese Schuld nicht tragen.
Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht wie ich das rechtfertigen könnte, wenn Gott mich fragen würde weshalb ich denn unbedingt dieses eine Kleid kaufen musste.
Wie sieht es mit Dir aus? Kaufst du bewusst ein? Was ist dein Tipp um dem Sale-Wahnsinn nicht zu verfallen? Ich freue mich auf den Austausch mit dir.
Liebe Grüße,
Nesrin.

2 Kommentare

  1. Assalamu alaikum wa rahmatullahi wa barakatuhu,

    bin genau deiner Meinung und abgesehen vom ganzen hatten die Sahaba wenige Klamotten wenn nicht ein oder zwei Teile obwohl es unter den Sahaba reiche gab aber sie konnten sich keine Klamotten kaufen während es arme gibt die sich nicht leisten können sich richtig zu bedecken.
    Wir sind leider heutzutage so verblendet von den Medien und dem Modemarkt subhan Allah, alles nur Gehirnwäsche.

    Am besten man spendet das Geld für die sinnlosen Klamotten an die armen Leute die es herschtellen müssen oder generell an arme Leute, bei Allah das macht viel glücklicher als neue Klamotten anzuziehen 🙂
    Möge Allah uns rechtleiten.

    Liken

    1. aleikom assalam meine Liebe!
      Du hast wahre Worte geschrieben!!!!
      Vor allem der Tipp das Geld lieber zu spenden, als Kleidung zu kaufen, die eigentlich nicht benötigt wird.
      Gott segne Dich! ❤

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s